Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 6: Kants Ethik und seine Ästhetik

24.02.10, 14:39:47 von philosophie
Was soll ich tun? (Kants Ethik)

Menschen fragen jedoch nicht nur "Was kann ich wissen?", die entscheidende Frage, vor allem für unser praktisches Leben, lautet "Was soll ich tun?".
Kann die Vernunft uns einen Leitfaden in die Hand geben, der uns klar sagt, was wir tun müssen, wenn wir moralisch, das heißt gut handeln wollen?
Ja, das vermag die Vernunft, schreibt Kant in seiner „Kritik zur praktischen Vernunft!“

Was ist nun moralisches, gutes Handeln?
Kants Antwort: Es gibt nichts in der Welt, was gut genannt werden könnte, außer der gute Wille. Das heißt, gut sein bedeutet gut sein wollen. Vernunftgemäß handeln!
Die These von Kant lautet also: „Eine Handlung ist durch die praktische Vernunft bedingt.“
Wir handeln nach praktischen Grundsätzen:
oder nach objektiven Grundsätzen = IMPERATIVE,
das sind notwendige Regeln

Bei den Imperativen unterscheidet er zwischen dem hypothetischen und dem kategorischen Imperativ.

Hypothetischer Imperativ Kategorischer Imperativ
Regeln, die vorschreiben, was ich tun soll, um das zu erreichen, was ich mir wünsche.
„Um ein hohes Alter zu erreichen, muss ich gesund leben!“
Das gilt für jeden Menschen. Zerstört er seine Gesundheit, wird er erkranken und sterben.
Der hyp. Imperativ gilt allgemein, aber nur bedingt.
Oberste Richtschnur für ein vernunftgemäßes, somit auch sittliches Handeln ist der sogenannte „Kategorische Imperativ“;
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz werde.“

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Das heißt, wir sollen nur so handeln, dass wir uns gleichzeitig wünschen können, dass die Regeln nach denen wir handeln zum allgemeinen Gesetz werden.


Laut Kant ist die Einstellung entscheidend dafür, ob wir etwas als moralisch richtig bezeichnen können. Nicht die Konsequenzen der Handlung sind entscheidend. Deshalb spricht man bei Kants Ethik auch von Gesinnungsethik (Deontologische Ethik)

z.B. Wer Reiche beraubt um Armen zu helfen und das aus Gewissensüberzeugung tut = gut. Wer aber Armen hilft um sein eigenes Ansehen zu erhöhen handelt schlecht!!

Ästhetik, Genie und Schönheit

In der dritten großen Kritik, der „Kritik der Urteilskraft“, geht es um die Frage, in wie weit ist der Mensch imstande so etwas wie Geschmacksurteile zu fällen, das heißt also zu beurteilen, ob ein Gegenstand, ein Bild ein Film oder ein Lied hässlich oder schön ist.
Damit wurde Kant zum Grundleger der modernen Ästhetik. (Lehre davon, was schön ist).
Er ging davon aus, dass die Grundlage unseres ästhetischen Urteilsvermögens in unserem Geschmacksvermögen liegt. Der Geschmack, so Kant, ist eigentlich in seiner Basis rein subjektiv. Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich nicht streiten. Geschmacksempfindungen können nicht - wie etwa eine falsche mathematische Berechnung - widerlegt werden.
Dennoch neigen wir dazu, so Kant, diese subjektiven Geschmacksempfindungen, vor allem im Bereich der Ästhetik, als quasi objektive Geschmacksurteile zu formulieren.
Wir sagen, dieses Buch ist gut und nicht, dieses Buch gefällt mir.
Wir suchen die Zustimmung, den Konsens, zumindest die Auseinandersetzung mit anderen.

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