Kapitel 9 - Wissenschaftstheorie Teil 3: Kritischer Rationalismus, Karl Popper

21.04.09, 21:40:43 von philosophie
Kritischer Rationalismus

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Der österreichisch-englische Philosoph Sir Karl Popper (1902-1994) hat ein philosophisches Modell entwickelt, das die Wissenschaft als andauernden Prozess der Verifikation und Falsifikation beschreibt. Seine Philosophie wird auch als Kritischer Rationalismus bezeichnet. Weitere Vertreter dieser Schule sind Hans Albert, Imre Lakatos und Paul Feyerabend.
Verifikation bedeutet dabei : Ein Wissenschafter stellt eine Theorie auf und sucht nach Bestätigungen für diese Theorie.
Falsifikation bedeutet : Der Wissenschafter sucht nach Beobachtungen, die die Theorie widerlegen.

Das Falsifikationsprinzip
Popper meint nun, zwischen diesen beiden liege eine Asymmetrie vor: Die Falsifikation ist "besser" da ein einziges, der Theorie widersprechendes Element genügt, um sie zu Fall zu bringen. Wenn ich die Theorie aufstelle: Alle Galaxien bewegen sich voneinander fort und ich finde eine einzige Galaxie, die sich auf die unsere zubewegt, ist die Theorie widerlegt oder falsifiziert.

Versuch und Irrtum
Popper versucht weiters zu zeigen, dass Erkenntnisfortschritt immer durch die Methode von Versuch und Irrtum geschieht (auch « trial and error-learning » genannt). Es wird eine Theorie erprobt, und wenn sie nicht besteht, wird sie verworfen. Dabei geht Popper davon aus, dass auch die Vernunft grundsätzlich immer fehlbar ist und jede Erkenntnis nur hypothetischen, vorläufigen Charakter hat.

Kritik an diktatorischen Systemen
Ausgehend von seinem Modell übte Popper nicht nur Kritik am Wissenschaftsverständnis seiner Zeit, sondern auch an totalitären politischen Ideen (u.a.) von Platon und Marx.
Schrittweise Gesellschaftsveränderung
Den diktatorischen philosophischen Systemen stellt er entgegen die Forderung nach einer schrittweisen Gesellschaftsveränderung. Wenn wir uns den Staat vorstellen als ein Boot müssen wir sozusagen das Boot auf offener See umbauen.

Die offene Gesellschaft
« Die offene Gesellschaft und ihre Feinde » heißt Poppers Hauptwerk, das er während des Zweiten Weltkrieges im Exil in Neuseeland verfasste. Darin erläutert Popper das Ideal der offenen Gesellschaft, die Veränderungen offen gegenübersteht und jederzeit bereit ist, überkommene Vorstellungen gegenüber besseren wissenschaftlichen und politischen Ideen, aufzugeben. Mit anderen Worten: Nur eine Demokratie, die sich permanent verändert, bleibt stabil.

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