Kapitel 8 - Philosophie der Neuzeit, Teil 8: David Hume, Fragen nach den Prinzipien der Moral

18.03.09, 16:21:35 von philosophie
2.) Fragen nach den Prinzipien der Moral

Die Leugnung von Erkenntnisinhalten, die nicht direkt auf Sinnesdaten zurückzuführen sind, gilt bei Hume übrigens auch für Werturteile.

Hume sagt, nicht die Vernunft bestimmt was wir sagen und tun, sondern unsere Gefühle..
Wenn ich z. B. jemandem helfen will, drängen mich meine Gefühle dazu und nicht meine Vernunft.
Also spielt auch die Frage des Glücks eine Große Rolle in der Ethik. Unser Handeln ist davon geleitet, dass wir Glück erleben und Unglück erleiden. Dennoch denken wir nicht ausschließlich in einem Kosten-Nutzen-Schema. Es gibt „natürliche Empfindungen“, wie die Liebe der Mutter zu ihrem Kind. Davon abgeleitet können wir auch für Menschen, die wir gar nicht kennen, die schon gestorben sind, die noch geboren werden, Zuneigung empfinden.

Abzulehnen ist die Moralvorstellung des Christentums, das nach dem jenseitigen Lohn schielt und gerade nicht den Menschen um seiner selbst willen liebt. Die unerfüllbaren Ideale des Christentums (z.B. „Feindesliebe“) sind wie ein Zwang, der dem Menschen Schuld und eine schlechtes Gewissen aufbürdet, da er diese Ideale nie erreichen kann.

Wirklich revolutionär, zumindest philosophisch gesehen, waren Humes Gedanken zur so genannten

Sein-Sollen-Problematik

Humes revolutionäre These: Aus dem was IST, kann nie gefolgert werden, was sein SOLL!

Wenn viele Menschen die Verkehrregeln verletzen: Heißt das dann, man SOLL die Verkehrsregeln verletzen?
Sokrates meinte, man könne lernen, was Gut und Böse ist. Lernen kann man aber nur Wissen. Was gut und böse ist, ist laut Hume keine Frage des Verstandes und damit keine Wissensfrage, sondern – wie gesagt- letztlich eine Frage der Gefühle. Dabei haben aber auch Gefühle eine gewisse Logik, z.B. sind uns nahe stehende Menschen wertvoll als z.B. unbekannte.
Hume durchbricht hier eine fast zweitausendjährige Tradition und bestreitet, dass Tugend (wie Wissen) erlernbar ist, dass moralische Inhalte wir Tatsachen der Wirklichkeit gewusst werden können.

Wenn nach einer Überschwemmungskatastrophe viele Menschen Hilfe brauchen, entscheiden unsere Gefühle, ob wir eingreifen. Wenn wir gefühllos wären und diese Entscheidung der kalten Vernunft überließen, dann würden wir uns vielleicht überlegen, dass es nur gut ist, dass ein paar Tausend sterben, da wir ohnehin schon unter der Überbevölkerung leiden…
Dass wir trotzdem helfen sollen kann laut Hume nur von unseren Gefühlen kommen.

Hume meint, ob eine Tat gut oder schlecht sei, ist nicht eine Frage der Vernunft.
Wenn ich mich entscheiden müsste, was ich lieber hätte: einen Kratzer am Finger oder dass alle Menschen tot umfallen und ich entscheide mich für letzteres, so sei dies keinesfalls gegen die Vernunft. Dass mir mein Finger so wichtig ist, ist ein Wert, der letzlich nur auf ein Gefühl (dies und jenes ist mir wertvoll) zurückzuführen sein kann. Hume widerspricht damit Generationen von Philosophen, die zu zeigen versuchten, dass gutes Tun in Übereinstimmung mit der Vernunft ist.

Hume sagt außerdem, der Mensch braucht die Gemeinschaft, er ist angewiesen auf Zusammenarbeit; deshalb haben wir die Fähigkeit zur Sympathie, wir wollen auch mit anderen kommunizieren. In der Religion ist die Ethik eine Sache zwischen Mensch und Gott, die Gemeinschaft der Menschen spielt eine untergeordnete Rolle. Auch dies kritisiert Hume.
In Bezug auf die Gefühle des Menschen entwickelte Hume erste Züge einer Psychologischen Lehre, heute würden wir vielleicht sagen „Motivationspsychologie“

Download MP3 (3,6 MB)

Dein Kommentar

Du bist nicht eingeloggt. Wenn du dich anmeldest, musst du in Zukunft Name und E-Mail Adresse nicht mehr eingeben.