Kapitel 8 - Philosophie der Neuzeit, Teil 2: René Descartes

18.03.09, 13:53:04 von philosophie
René Descartes (1596 – 1650)

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René Descartes wurde am 31.März 1596 in La Haye, Touraine geboren und starb am 11.Februar 1650 in Stockholm. Er entstammte einem vornehmen Adelsgeschlecht und besuchte die Jesuitenschule in La Fleche. 1617 trat er in den Militärdienst und nahm an Kämpfen in den Niederlanden, in Böhmen und in Deutschland teil. Später lebte er zurückgezogen, meist in den Niederlanden; im Jahr 1649 ging er auf Einladung von Königin Christine nach Stockholm, wo er bald darauf an nicht ganz geklärten Umständen starb.

Descartes war der Begründer und maßgeblichste Vertreter des modernen Rationalismus. (= Die Auffassung, der Verstand sei das einzig gültige Erkenntnismittel (Ratio = Verstand)).
Wie Sokrates war er davon überzeugt, dass uns sichere Erkenntnis nur die Vernunft geben kann.
Die Philosophie emanzipierte sich damit von der Theologie, aber noch blieben Philosophie und Naturwissenschaft eine Einheit.
Descartes entwickelte die moderne analytische Geometrie (z.B. auch das "cartesische Koordinatensystem") und versuchte, eine moderne Wissenschaft auf Grundlage der Mathematik zu errichten.
In seinem Werk Meditationes de prima philosophia (1641) schilderte Descartes ein Gedankenexperiment:
Was, wenn alles, was ich wahrnehme, eine Täuschung ist? Wenn ich gar keine Arme, keine Beine hätte, ich gar nicht hier sitze, wenn ich gar nicht existieren würde?
Was, so fähr er fort, wenn ein bösartiger Dämon mir alle Dinge vorgaukelt, die ich wahrzunehmen glaube, während die Wirklichkeit völlig anders ist?
So fährt Descartes in seinem so genannten "systematischen Zweifel" fort und bezweifelt alles, dessen er sich nicht völlig sicher ist.
An einer Sache jedoch, so führt Decartes weiter aus, könne er nicht zweifeln: Nämlich daran, dass er zweifelt.
Und wenn er zweifelt, so müsse es eine Person geben, die zweifelt. Also müsse er existieren.
So gelangt Descartes zu seinem berühmten Ausspruch:
Cogito, ergo sum
Ich denke, also bin ich.

Dies ist also der Punkt, dessen ich mir vollkommen sicher sein kann, hier wird jeder skeptische Zweifel sinnlos. Doch wie geht es nun weiter ?
Descartes greift hier (in abgeänderter Form) auf den onotologischen Gottesbeweis des Anselm von Canterbury zurück : Ich selbst bin unvollkommen, habe aber die Vorstellung eines vollkommenen Gottes. Da diese nicht von mir selbst stammen kann muss sie mir Gott selbst eingegeben haben. Gott zu denken ohne seine Existenz wäre unsinnig, da er dann nicht vollkommen wäre. Also existiert Gott. Da Gott allgütig ist, täuscht er mich nicht. Also garantiert er für die Richtigkeit meiner Erkenntnisse, Schlüsse, u.a. auch des Cogito-Arguments. Daher habe ich die Garantie, die Wirklichkeit so zu erkennen, wie sie ist.
Doch wurde letzterer Gedankengang als zirkulär kritisiert (« Cartesischer Zirkel »): Das Cogito Argument verbürgt die Existenz Gottes, dieser wiederum verbürgt die Richtigkeit des Cogito-Arguments.

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