Kapitel 4 - Erkenntnistheorie, Teil 7: Wahrheitstheorien

22.12.08, 17:17:10 von philosophie
Die Wahrheitstheorien
Wir versuchten zuletzt, zu definieren, was man unter „Wissen“ versteht. Zusammengefasst könnte man sagen, - und diese Definition haben auch viele Philosophen vertreten:
Wissen = Gerechtfertigter wahrer Glaube

Der Punkt 1.) der Wahrheitsdefinition betraf das Kriterium der Wahrheit. Gerechtfertigter wahrer Glaube. Wenn wir sagen, wir wissen etwas, muss der betreffende Sachverhalt zuallererst wahr sein. Doch wann ist eine Aussage wahr? Hier gibt es verschiedene, miteinander konkurrierende Theorien:

1). Die Korrespondenztheorie
Eine Aussage ist nach dieser Auffassung deshalb wahr, weil sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt (oder korrespondiert).
Schon einer der größten Philosophen des Mittelalters, Thomas von Aquin nannte diese Übereinstimmung „adaequatio rei et intellectus“, d. h. die Übereinstimmung von Gegenstand und Verstand.
Das Problem dabei ist jedoch: Es ist schwer, anzugeben, wie diese Übereinstimmung auszusehen hätte. Ein Wort kann zum Beispiel kurz sein (Nehmen wir beispielsweise das Wort „All“), seine Entsprechung, das Universum, kann riesig sein, und umgekehrt. Außerdem folgt die Sprache den Regeln der Grammatik; auf welche aber Weise finden sich diese in der Natur wieder? Die Gesetze der Physik, der Chemie usw. können nicht „einfach so“ mit den Gesetzen der Grammatik in Übereinstimmung gebracht werden. Manchen Philosophen meinten deshalb, ein Satz nur sei ein „Abbild“ der Wirklichkeit (beispielsweise der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein). Doch die meisten haben diese so genannten „Abbildtheorien“ aufgrund unüberwindlicher Schwierigkeiten wieder aufgegeben. Nur ein Kritikpunkt sei hier angedeutet: Wir verwenden unsere Sprache dazu, eine Aussage über die Wirklichkeit zu machen (unser Beispiel: „Es steht jetzt jemand vor der Tür“) und gleichzeitig verwenden wir dieselbe Sprache, um eine Aussage über das Verhältnis zwischen der Aussage und der Wirklichkeit zu machen. („Es ist wahr, dass jetzt jemand vor der Tür steht“). Dies jedoch kann – konsequent gedacht - nicht gelingen, meinen viele Philosophen.

2) Die Kohärenztheorie
Eine Aussage ist nach der Kohärenztheorie deshalb wahr, weil sie mit anderen Aussagen, die wir ihrerseits für wahr halten, übereinstimmt.
Vorteil: Wir müssen nicht jede Aussage auf ihren Wahrheitswert überprüfen.
Nachteil: Es muss eine „erste Aussage“ geben, die wiederum auf die Korrespondenztheorie zurückgreifen müsste.

3) Evidenztheorie
Es gibt Aussagen, deren Wahrheitsgehalt unmittelbar einleuchtend - evident - ist.

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