Kapitel 13 - 19. Jahrhundert, Teil 2: Friedrich Nietzsche

21.04.10, 13:50:36 von philosophie
Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Kaum ein Philosoph wird so kontrovers diskutiert wie Nietzsche. Von den Nationalsozialisten wurde seine Lehre vom « Übermenschen » um- und missgedeutet. Zwar entwickelt Nietzsche kein einheitliches System, aber man kann einige Leitgedanken feststellen :
Der Wille ist grundlegend für das menschliche Denken. Für Nietzsche ist der Wille das dionysische Prinzip (Dionysos : Gott des Weins, des Rausches etc.), die Vernunft das apollinische Prinzip (Apoll : Gott der Rationalität, des Intellekts). Nach Nietzsche kann entgegen Schopenhauers Ansicht der Wille nicht negiert werden, im Gegenteil bedarf der Mensch einer neuen dionysischen Ästhetik, wie sie sich z.B. in der Musik Richard Wagners audrückt.
Der Mensch, der meist schwach ist, ist unfähig, mit seinem Willen dem Leben einen Sinn zu geben. Deshalb imaginierte er einen Gott. Dies war der « Sklavenaufstand der Moral », während die Antike noch ein diesseitsbezogenes Heroentum kannte, kennt das Christentum nur noch Ideale der Askese und der Kasteiung, eine Erlösung davon kann nur eine Befreiung von der Gottesillusion sein : Daher der Ausspruch « Gott ist tot ».
Nieztsche ist Wertnihilist und bestreitet die generelle objektive Gültigkeit von Werturteilen. – Dem stellt er eine Moral des (von ihm so genannten) « Übermenschen » entgegen : Der Übermensch verzweifelt nicht an dem fehlenden Glauben an Gott, es drückt der Welt seinen Willen auf. Hat der Mensch nun schon die Illusion eines Gottes aufgegeben, muss er noch die Illusion aufgeben, es sei « nun alles erlaubt », sowie die dritte Illusion , nun am Ende der Illusionen zu sein, denn die Geschichte endet nie, sie ist die Ewige Wiederkehr des Gleichen. Dies ist die letzte Herausforderung des Übermenschen : sein eigenes Schicksal zu bejahen (amor fati).

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