Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 9: Karl Popper

21.04.10, 13:44:46 von philosophie
Karl Raimund Popper (1902-1994)

Im 20. Jahrhundert entwickelte der österreichisch-englische Philosoph Karl Popper - auch unter dem Eindruck des Stalinismus, des Nationalsozialismus und der Schrecken des zweiten Weltkrieges - seine Philosophie des "Kritischen Rationalismus".

Ausgehend von Erkenntnissen der Wissenschaftstheorie entickelte Popper auch eine politische Theorie, die zu den Ideologien des Jahrhunderts auf kritische Distanz ging.
Popper vertritt die Ansicht der grundsätzlichen Fehlbarkeit der Vernunft und dafür, dass jede Erkenntnis nur einen vorläufigen, hypothetischen Charakter aufweist. Nur im Wechselspiel von "Versuch und Irrtum" könne der Mensch die Welt erkennen. Dieser Prozess ist aber nie abgeschlossen.
Ausgehend von diesen Thesen übte Popper scharfe Kritik an den totalitären Sozialutopien, wie sie Platon und Marx entworfen hatten.

Platon hatte die Frage aufgeworfen: "Wer soll herrschen?". Nach Popper ist die Frage völlig falsch gestellt. Da viele, vielleicht die meisten Herrscher der Geschichte unfähig waren und die Menschen nur für ihre machtpolitischen Zwecke missbraucht haben, müsste die Frage lauten: "Wie muss ein politisches System aussehen sodass auch ein schlechter Herrscher möglichst wenig Schaden anrichten kann?".
Poppers Antwort auf diese Frage: Nur eine "Offene Gesellschaft", wie die Demokratie kann dies gewährleisten.
Die Demokratie ist idealerweise offen für Kritik. Die Demokratie lehnt radikale, gewaltsame Umwälzungen und Revolutionen ab und vertritt ein Ideal der "schrittweisen Gesellschaftsveränderung".
Sie lehnt politische Dogmen und starre Lehren ab, da man niemals heute schon wissen kann, was man erst in Zufunft wissen wird (dann wäre man ja heute schon allwissend) sondern die Demokratie fördert Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt.
Nur wenn Kritik am System geübt werden darf, kann das System fortbestehen.
Dem entspricht der Ausspruch: "Eine Demokratie bleibt nur dann stabil, wenn sie sich ständig verändert".

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