Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 8: Historischer Materialismus, Kritik an Marx

21.04.10, 13:27:30 von philosophie
Historischer Matrialismus

Marx sah die Weltgeschichte als ständige Abfolge von Klassenkämpfen.
Außer in der Urgesellschaft, die ihrem Wesen nach kommunistisch war, gab es in jeder geschichtlichen Epoche Unterdrücker und Unterdrückte:


In der Antike Sklavenhalter und Sklaven
Im Mittelalter Adelige Feudalherren und Leibeigene
Im 19. Jahrhundert Kapitalisten und Proletariat

Die Regierungsform nach der kommunistischen Revolution nennt Marx die "Diktatur des Proletariats": Alle Menschen sind gleich, alle werden nach ihren Bedürfnissen entlohnt und nicht nach ihren Leistungen, es gibt kein Privateigentum, daher auch keinen Krieg und keine Unterdrückung.

Kritik an Marx

Marx wird wohl den Egoismus des Menschen etwas unterschätzt haben. Kaum jemand ist bereit, ausschließlich für die Gemeinschaft zu arbeiten, da es der Auffassung widerspricht, für eine bestimmte Arbeit einen gerchten Lohn zu bekommen. Daher ist die Idee, das Eigentum abzuschaffen, wohl kaum zu realisieren.

Eine Revolution ist immer ein Spiel mit dem Feuer. Es besteht das Risiko, dass Kräfte freigesetzt werden, mit denen man gar nicht gerechnet hat, wobei die ursprünglichen Ziele unter Umständen "auf dem Weg" verlorengehen. Das bezeichnet der Ausspruch "Die Revolution frisst ihre Kinder".
Alle genannten Einwände sind in der Geschichte tatsächlich geschehen: In der französischen Revolution 1789 genauso wie in der kommunistischen "Oktoberrevolution" von 1917 in Russland.
Bis 1990 war die Sowjetunion zusammen mit ihren Satellitenstaaten DDR, Tschechoslowakei, Rumänien...eine totalitäre Diktatur: keine Meinungs- und Pressefreiheit, Ausreiseverbot, Arbeitslager und Folter, dazu sehr hohe Militärausgaben und auf der anderen Seite eine Verarmung der Massen. Man hatte sich weit von den Ideen von Marx entfernt.
Trotz Kritik gibt es jedoch immer noch Punkte in Marx' Philosophie, die heute noch diskussionswürdig sind.

Marxistische Religionskritik

Zunächst ist in diesem Zusammenhang die so genannte "Feuerbachthese" zu nennen. Diese übernahm Marx vom deutschen Philosophen Ludwig Feuerbach (1804-1872). In dieser religionskritischen Theorie ging Feuerbach davon aus, dass nicht Gott den Menschen, sondern vielmehr der Mensch seinen Gott erschaffen habe:
Der Mensch erlebt sich selbst als endlich, vergänglich, unvollkommen, ohnmächtig und böse. Von diesem Zustand ausgehend schließt er auf ein "Idealwesen", das vollkommen, unendlich, mächtig und gut sei. Der Mensch "projiziert" seine Wünsche nach außen auf dieses Idealwesen, das er dann Gott nennt und dem er sich unterwirft. Doch sagt ein Wunsch noch nichts darüber aus, ob das Objekt der Begierde auch wirklich existiert...

Marx warf dem Christentum vor, dieses irrationale Wunschdenken des Menschen zu übernehmen und zu fördern. Die Kirche vertröstet den Menschen systematisch auf das Jenseits und macht das Ertragen des Leides in dieser Welt zu einer Tugend. Damit stellt sich die Kirche in den Dienst der kapitalistischen Ausbeuter. Marx fasste diese Kritik an der Religion in dem berühmten Satz zusammen: "Religion ist Opium fürs Volk". Generell war Marx der erste Philosoph, der den Begriff der "Arbeit" in den Mittelpunkt gerückt hat.
Ein wichtiger Begriff im marxististischen Denken ist hierbei der Begriff der "Entfremdung". Im Prozess der Industrialisierung, der Fließbandarbeit, hat der Arbeiter immer weniger Bezug zu dem von ihm hergestellten Produkt, er entfremdet sich immer mehr von seiner Arbeit.
Zwar wurde sehr viel Kritik an den sozialen Utopien (z.B. an der Marx'schen Vorstellung von der "Diktatur der Proletariats") geübt. Dennoch ist es auch heute immer zu einem bestimmten Ausmaß notwendig, sich vorzustellen, wie eine "ideale Gesellschaft", eine "bessere Welt" aussehen könnte. Wenn wir unser Gesellschaftssystem verbessen wollen, brauchen wir schließlich ein "Idealbild", das wir anstreben können. Die Probleme liegen vielmehr darin, wie man diesen Idealzustand erreichen will.
Letzendlich ist auch der Sozialismus und die Sozialdemokratie ein "Nachfahre" des marxistischen Denkens. Schon früh lehnten die Sozialisten in England, Deutschland aber auch in Österreich die von den Marxisten vertretene Idee der Revolution und des gewaltsamen Umsturzes ab und vertraten eine Politik der Reformen und der demokratischen Beteiligung des Staatsbürgers am politischen Leben.

Download MP3 (4,6 MB)

Dein Kommentar

Du bist nicht eingeloggt. Wenn du dich anmeldest, musst du in Zukunft Name und E-Mail Adresse nicht mehr eingeben.