Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 7: Karl Marx

21.04.10, 13:26:21 von philosophie
Karl Marx (1818-1883)

Karl Marx wurde in Trier geboren, er studierte Rechtswissenschaft und klassische Philologie. Schon früh beschäftigte er sich als Journalist mit wirtschafltichen und politischen Themen seiner Zeit, einige seiner Werke verfasste er zusammen mit seinem Freund und Mitstreiter Friedrich Engels. Philosophiestudium in Bonn und Berlin, Schüler Hegels, Redakteur der „Rheinischen Zeitung“, politische Emigration nach Paris, gest. 1883 in London.
Im Jahre 1845 gründete er in Brüssel die erste kommunistische Partei. Im Revolutionsjahr 1848 vefasste er das berühmte "Kommunistische Manifest", einen Grundsatztext seiner politischen und wirtschaftlichen Philosophie. Später lebte er in London, teilweise in großer Armut. Sein politisch-ökonomisches Hauptwerk war jedoch "Das Kapital".

Philosophische Ideen

• Lehre von Basis – Überbau
Die Lebensrealität des Menschen im Kapitalismus (Basis) bestimmt den Denkprozess (Überbau). Primat der Materie vor dem Geistigen: („Der Bauch bestimmt, was der Kopf denkt.“)
Der politische, juristische, wirtschaftliche Überbau wiederum wirkt zurück auf die Lebensweise des Menschen. Dieser Kreislauf kann letztlich nur von einer Revolution durchbrochen werden, wobei die Produktionsverhältnisse radikal geändert werden müssen.
Beispiele: Wenn jemand in einem marktwirtschaftlichen System lebt, wird er auch in marktwirtschaftlichen Kategorien denken: alles wird für ihn eine Ware sein, ein mögliches Eigentum sein, das er dann auch mit Gewalt verteidigen wird.
Wenn jemand in Elend lebt ist ihm das nackte Überleben am wichtigsten. Dann kann er sich auch nicht um Moral kümmern.


• Kritik an der politischen Ökonomie
Die Burgeoisie (Bürger, Unternehmer, Kapitalist) ist im Besitz der Produktionsmittel (Landbesitz, Maschinen, Gebäude etc.), Die herrschenden Produktionsverhältnisse sind bestimmt vom Privateigentum: Viel Besitz in den Händen von wenigen.
Das Proletariat (die große Masse der Lohnarbeiter) muss seine Arbeitskraft billig verkaufen. Davon schöpft der Kapitalist ständig Profit ab, den er u.a. wieder in Produktionsmittel investiert (z.B. neue Maschinen, die Arbeitskräfte ersetzen). Die dadurch entstehende Anzahl an Arbeitslosen (sog. „industrielle Reservearmee“) führt durch Konkurrenzdruck zu immer noch niedrigeren Löhnen, zu immer größeren Profiten der Kapitalisten und in eine weitgehende Verelendung der Massen. Irgendwann bricht das kapitalistische System durch seine inneren Widersprüche zusammen – Revolution!

• Diktatur des Proletariats - Abschaffung des Privateigentums, Überführung aller Produktionsmittel in den gemeinsamen Besitz des Volkes, Utopie der Klassenlosen Gesellschaft.
Es muss das Privateigentum generell abgeschafft, die Kapitalisten enteignet und der Besitz in Gemeingut übergeführt werden.
Es gibt keinen Profit mehr, da er nun dem Kollektiv (der Gemeinschaft) anheimfällt.

Durch die Änderung der an der Produktionsverhältnisse und der Produktivkräfte (entspricht der "Basis") ändert sich auch der "Überbau", das Denken der Menschen. Auf dieser Grundlage kann nun eine neue Gesellschaftsordnung entstehen, die kommunistische Gesellschaft.

Dialektischen Matrialismus

Marx' Denken basiert auf dem Zusammenwirken von Gegensätzen. Jemand formuliert eine philosophische Idee, eine These. Ein anderer entwickelt eine entgegengesetzte Meinung, die Antithese. Aus dem Widerstreit von These und Antithese entsteht die "Synthese", die These und Antithese aufhebt, überwindet und eine neue Lösungsmöglichkeit für den Konflikt darstellt. Doch damit ist die Entwicklung noch nicht zu Ende, denn die Synthese wird zur neuen "These", zu der eine Antithese entsteht, und so weiter...Dieses System, das auf den Philosophen Friedrich Hegel zurückgeht, nennt man "Dialektischen Matrialismus". Interessanterweise beschreibt das System Denkvorgänge ebenso wie politische Entwicklungen: Es formiert sich eine Partei, es entsteht eine Gegenpartei, diese kämpfen miteinander, bis sie sich zu einer neuen Gruppierung weiterentwickeln, es entsteht wieder eine Gegenpartei u.s.w.

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