Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 5: Hobbes, Locke

21.04.10, 13:24:56 von philosophie
Thomas Hobbes (1588-1679)

Thomas Hobbes beschäftigte sich in seinem politischen Denken zunächst mit dem Naturzustand des Menschen, weil er für ihn der Ausgangspunkt jeglicher politischer Entwicklung ist.

Seiner Meinung nach ist der Mensch von Natur aus böse.
In grauer Vorzeit war der Naturzustand der Menschheit aufgrund der Eigeninteressen eines jeden Individuums der Kampf „Aller gegen Alle“, was in dem lateinischen Sprichwort zum Ausdruck kommt:
„Homo homini lupus“ (Der Mensch ist dem Menschen Wolf (=Feind)“.
Doch weil dieser Zustand auf die Dauer untragbar ist, müssen sich die Menschen zusammenschließen. In diesem Zusammenschluss verzichten die Einzelindividuen auf ihre persönliche Macht und übertragen sie einem höchsten Wesen, das Hobbes nach einer alttestamentarischen Erzählung „Leviathan“ nennt. Dieser „Leviathan“ ist ein mythisches „Überwesen“, das viele kleine Wesen in sich vereinigt und entspricht letztlich dem Staat selbst. Der Staat hat nach Hobbes alleiniges Recht, Gewalt auszuüben und zwingt seine Subjekte zu friedlicher Koexistenz.
Andererseits begünstigt Hobbes’ Idee vom Leviathan die Tendenz, einen Staat absolutistisch „über die Köpfe der Bürger hinweg“ zu regieren, wie das beispielsweise in einem starken Königtum der Fall ist: Die Bürger bekämpfen sich nun nicht mehr untereinander, aber es bleibt das Problem: Wie schützt sich der Bürger vor den Übergriffen des Staates?
Hobbes Ideen übten dennoch allergrößten Einfluss aus auf die Ausbildung des modernen Staatswesens aus, bis hin zum Zusammenschluss zu überstaatlichen Einheiten (Europäische Union, UNO). Mit diesen Ideen eines Gesellschaftsvertrages beeinflusste er die politische Philosophie maßgeblich.

John Locke (1632-1704)

Der englische Philosoph John Locke, der auch einer der „Gründerväter“ des modernen Empirismus war, veröffentlichte im Jahr 1690 seit politisches Hauptwerk „Two Treatises of Government“ (Zwei Abhandlungen über die Regierung).
Er knüpfte mit diesem Werk an Hobbes an und widmete sich der Frage wie man den „Leviathan zähmen“ könne, also die Staatsmacht so zu beschränken, dass der einzelne Bürger vor Ungerechtigkeiten geschützt ist.
Auch Locke richtete zunächst sein Augenmerk auf den „Naturzustand“ des Menschen. Dabei sah Locke den Menschen weit nicht so negativ wie Machiavelli oder Hobbes: Locke gestand dem Menschen die Fähigkeit zu, vernünftig zu denken und zu handeln. Bei Hobbes will der Mensch immer mehr Macht und Besitz erlangen, und daher auch die Macht und den Besitz anderer Menschen, Hobbes „Krieg Aller gegen Alle“.
Locke hingegen meint: Der Mensch hat zumindest die Fähigkeit seine Vernunft zu gebrauchen und sich nur das zu wünschen, was er vernünftigerweise auch braucht.
Da der Mensch aber nicht alles braucht, was er an Waren erzeugt, entsteht Überschuss. Diese überschüssigen Waren können gehandelt und ausgetauscht werden, woraus beide Handelspartner Nutzen ziehen.

Doch nun kommt durch den Handel ein weiterer Faktor ins Spiel: Das Geld. Im Gegensatz zu Lebensmitteln kann Geld beliebig gehortet werden. Es entstehen dadurch Reiche und Arme, die sozialen Spannungen nehmen zu. Daher brauchen die Menschen eine staatliche Organisation, die das gesellschaftliche Zusammenleben wieder gewährleistet.
Ausgehend vom Naturzustand des Menschen formulierte Locke seine politischen Philosophie:
• Er vertrat die Meinung, das Eigentum des Menschen sei ein Naturrecht und müsse vor dem willkürlichen Zugriff durch den Herrscher oder durch andere geschützt werden.
• Locke forderte, dass der König nicht allein und mit unumschränkter Macht herrschen solle, sondern König und Parlament gemeinsam regieren und Gesetze beschließen müssen.
• Weiters forderte Locke, dass dem König eine Institution der Rechtsprechung zur Seite gestellt werden müsse, der dafür sorgt, dass alle Gesetze auch wirklich „gerecht“, vernunftgemäß und auf einander abgestimmt sind.
Aus diesen Ideen entwickelte sich später die Theorie des gewaltenteilenden Rechtsstaates.
Beide hier dargstellten Regierungsformen fand Locke in seiner Zeit vor:

In Frankreich herrschte König Ludwig XIV., genannt der „Sonnenkönig“, mit nahezu unbeschränkten Machtbefugnissen. Die französischen Adeligen und die Vertreter des Bürgertums hatten keinen Anteil an der Regierung. Auch unter seinen Nachfolgern Ludwig XV. und Ludwig XVI. änderte dies sich kaum und die daraus resultierenden Missstände waren schließlich Ursachen für die Französische Revolution von 1789.

Eine ganz andere politische Situation herrschte in England vor: Mit der „Glorious Revolution“ unter Oliver Cromwell im Jahre 1688 und der „Bill of Rights“ von 1689 behaupteten die im Londoner Parlament vertretenen Adeligen und Bürger ihr Selbstbestimmungsrecht gegenüber dem König. Dieser konnte ohne das Parlament keine Steuern festsetzen oder Gesetze erlassen. Dieser Sonderweg des britischen Staatswesens konnte auch noch nach 1714 fortgesetzt werden und der Weg zu einer dauerhaften Herrschaft des Parlaments und seiner gewählten Vertreter war geebnet.

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