Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 4: Machiavelli

10.03.10, 13:03:28 von philosophie
Geschichtlich gesehen betreten wir mit Machiavelli neuen Boden, den Boden der Neuzeit (ab 1492).

Der aus der Stadt Florenz stammende Gelehrte Niccoló Machiavelli fragte in seinem Buch „Il Principe“ (Der Fürst), wie so viele vor ihm, welche Staatsform die beste sei.
Seine Antwort: Wie man regiert ist völlig egal, wenn es nur dem jeweiligen Herrscher nützt.
Laut Machiavelli steht und fällt das Wohl des Staates mit den Entscheidungen und Handlungen des Fürsten.
Was nutzt es, wenn der Staat gottgefällig ist (wie bei Augustinus), wenn der Herrscher persönlich moralisch hochstehend ist (wie bei Platon), wenn er lauter Entscheidungen trifft, die ihn letztlich nicht ans Ziel bringen? Was nützen Ideale, wenn man sie nicht in die Praxis verwirklichen kann?
Machiavelli geht in seinem politischen Denken einen völlig anderen Weg als die bisherigen politischen Denker:
Ob ein Herrscher ehrenvoll und moralisch richtig handeln soll oder nicht, darf sich nur danach richten, ob er mit seiner Handlung sein gewünschtes Ziel erreicht.

Wenn der Fürst, um beispielsweise einen Konkurrenten auszuschalten, ihn heimtückisch ermorden soll - warum nicht? Wenn dem Staat damit geholfen ist, soll man es tun! Lässt sich der Konkurrent mit Geld abspeisen? Auch gut. Aber Vorsicht: dem Volk Gutes tun soll man nur in kleinen Dosen, auf längere Zeit verteilt, denn das Volk ist dumm und wankelmütig und vergisst den Wohltäter nur allzu schnell. Muss man allerdings zu Gewalt greifen, soll man dies rasch tun und möglichst alle Grausamkeiten in kurzer Zeit „erledigen“, dann hat das Volk lange Zeit, um zu vergessen…
Man sieht bei Machiavelli sehr deutlich: Der Zweck heiligt die Mittel.

Es geht Machiavelli hauptsächlich um die „Technik“ des Beherrschens selber. Welchen moralischen Wert die Handlungen des Herrschers haben, kümmert ihn wenig. Machiavellismus gilt nicht umsonst heute noch als politisches Schimpfwort.

Problematisch ist einerseits das Maß an Ungleichheit, das Machiavelli gezwungen ist, zuzulassen. Ein Menschenleben ist plötzlich nichts mehr wert, wenn es um die Belange des Staates geht. Außerdem: Wer entscheidet, wie viele Menschen einem Zweck geopfert werden sollen? Kann es nicht sein, dass irgendwann der Preis für bestimmte Ziele, beispielsweise das „Ausschalten“ politischer Gegner, viel höher ist, als das Ziel eigentlich wert ist?
Außerdem: Ist das Volk wirklich so dumm, wie Machiavelli glaubt?
Machiavellis Erbe ist zwiespältig: einerseits wurde er heftig wegen seiner moralischen Skrupellosigkeit kritisiert. Andererseits hat er zumindest aus der Sicht des Herrschers durchaus nicht unrecht: Wenn ich davon überzeugt bin, dass meine Art zu regieren die beste ist, muss ich danach trachten, meine Herrschaft so lange wie möglich zu erhalten. Deshalb bedienten sich in der Nachfolge Machivellis sowohl Herrscher wie Revolutionäre seiner Ideen.
Das Problem, das sich daraus wiederum ergibt ist jedoch folgendes: Natürlich wird jeder geschickte Herrscher, auch der „gegnerische“, so denken. Konsequent weitergedacht mündet letztlich Machiavellis Anspruch auf unbedingte Herrschaft in einen rücksichtslosen Kampf aller gegen alle. Das wiederum kann nicht die Antwort darauf sein, was die beste Regierungsform ist.

Übrigens: Alle Versuche Machiavellis, seine Ideen in die Tat umzusetzen, scheiterten. Ein Schicksal, das er mit Platon teilt...

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