Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 2: Aristoteles

10.03.10, 12:05:52 von philosophie
Aristoteles (384-322 v. Chr.)

Aristoteles war ein Schüler Platons. Als junger Mann war er Lehrer Alexanders des Großen. Nach dem Tode Alexanders war die Zeit für Parteigänger Alexanders in Athen sehr ungünstig, weshalb Aristoteles aus der Stadt flüchten musste. Bezugnehmend auf Sokrates sagte er, er sei geflohen, damit die Athener nicht noch einmal denselben Fehler begehen, den besten Philosophen hinzurichten...

Aristoteles hatte Interessen in fast allen Wissensgebieten der damaligen Zeit.
In Bezug auf die Politik sammelte Aristoteles beispielsweise die Verfassungstexte vieler Staaten seiner Zeit und verglich sie miteinander.
Aristoteles unterscheidet in seinem Werk "Politik" Zunächst, wie viele Herrschende ein Staat hat.

- Wenn nur einer herrscht, nennt man das eine Monarchie.
- Wenn mehrere herrschen, nennt man das eine Oligarchie. (="Herrschaft der Wenigen") oder auch Aristokratie (="Herrschaft der Besten").
- Wenn alle herrschen, nennt man das eine Demokratie. (="Herrschaft des Volkes")

Diese Herrschaftsformen sind die "gute Variante". Wenn diese Herrschaft entartet, verändern sie ihr Wesen und sie wird dementsprechend auch anders bezeichnet:

- Wenn ein einzelner Herrscher seine Macht missbraucht wird die Monarchie zur Tyrannis.
- Wenn die Herrschaft der Wenigen entartet, weil sie die Oligarchen nur noch sich selbst bereichern, wird sie zur Plutoktatie.
- Wenn die Demokratie entartet, wird sie zur Ochlokratie (="Herrschaft des Pöbels").

Hatte Platon noch eine sehr statisches, unbewegliches Modell der Staatstheorie kommt bei Aristoteles zum ersten Mal Bewegung in die Sache. Er meinte, dass es in der Geschichte eine Weiterentwicklung der Staatssysteme gäbe, die folgendermaßen vor sich geht:

- Zu Beginn herrscht ein guter Monarch.
- Nach einiger Zeit verfällt die gute Regierung und aus dem guten Monarchen wird ein Tyrann.
- Nun bildet sich eine Opposition der Adeligen (Aristokratie), die dem Tyrannen die Herrschaft entreißt.
- Nach einiger Zeit verfällt auch diese Herrschaft und die Adeligen bereichern sich nur noch selbst, ohne auf das Volk zu achten. (Plutokratie)
- Nun sind die Massen vollends unzufrieden und das Volk übernimmt die Herrschaft: Demokratie.
- Nun entartet auch die Demokratie und weil es keine funktionierenden politischen Strukturen gibt, herrscht bald nur noch der Pöbel auf der Straße (Ochlokratie).
- Diese Entwicklung mündet in den Bürgerkrieg. Nun werden die Rufe nach einem starken Herrscher laut, der wieder für Recht und Ordnung sorgt. Es entsteht wieder eine Monarchie und ein neues Zeitalter beginnt.
- Zu Beginn herrscht wieder ein guter Monarch...


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