Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 1: Platon

10.03.10, 11:56:51 von philosophie
Platon (427-347 v. Chr.)
Als einer der ersten Philosophen des Abendlandes machte sich der griechische Philosoph Platon Gedanken darüber, wie die beste Regierungsform auszusehen habe.
Überall sah Platon Missstände und Fehlentwicklungen. Platon machte sich daran, einen Gegenentwurf auszuarbeiten, seine Vorstellung eines Idealen Staates darzulegen.
Wie sollte dieser "ideale Staat" nun aussehen?
Alle Menschen sollen nicht für sich, sondern für den Staat arbeiten. Der Staat wiederum gibt einem jeden Bürger seinen benötigten Anteil.
Der Staat soll nämlich in erster Linie "selbstgenügsam" sein, das heißt jeder Staatsbürger sollte für sich "zufrieden" sein. Denn wenn es keinen Neid, keine Gier gibt, gibt es auch keinen Krieg gegen den Nachbarn, keine Spannungen im Inneren des Staates.

Zunächst sollten die Staatsbürger drei Klassen umfassen:
• Die unterste Klasse umfasst die meisten Menschen: Bürger, Bauern und Handwerker sollen für die Versorgung des Staates zuständig sein.
• Die mittlere Schicht sind die "Krieger" oder auch "Wächter": Sie sorgen für Sicherheit nach außen und Ruhe im inneres des Staatswesens.
• An der Spitze schließlich steht der edelste, vornehmste und intelligenteste Bürger des Staates: Der Philosophenkönig.
Nur die Philosophen haben den Überblick und den Weitblick, die Geschicke des Staates zu lenken, weil sie der Wahrheit am nächsten stehen.

Philosophen als Könige – Das klingt vielleicht wie ein Witz. Platon war es absolut ernst damit. Platon soll, so die Legende, kein einziges Mal in seinem Leben gelacht haben...
Laut Platon sollte niemand seine Klasse verlassen können: Nur wenn jeder „seinen“ Beruf ausübt, kann derjenige für die Gemeinschaft nützlich sein. Außerdem solle es staatlich geregelte Geburtenkontrolle geben, damit der Staat nie zuviel und zuwenig Bürger hat. Nur so sei die Harmonie des Staates auch in Zukunft gegeben.
All dies legte Platon in seinem Werk „Politeia“ (Vom Staat) dar.

Platon Staat – Eine Utopie

Was Platon hier unternahm, nennt man im Allgemeinen eine Utopie:
Utopie bedeutet – etwas frei übersetzt – „Der Ort Nirgendwo“. Diesen Staat gibt es nicht, es soll ihn jedoch eines Tages geben.
Übrigens: Wie sollte das eigentlich vonstatten gehen?
Platon war kein Freund langwieriger Entwicklungsprozesse. Die Staatslenker sollten, ungefähr so wie ein Maler, das "alte Bild wegwischen" und auf das leere Papier "neue Farbe" auftragen. Was eigentlich bedeutet: Revolution! Die alten Herrschaftsstrukturen müssen radikal „weggewischt“ werden, um dem Neuen Platz zu schaffen, wenn nötig auch mit Gewalt. Und da die Umwälzung ziemlich groß sein muss, ist wahrscheinlich sehr viel Gewalt notwendig…
Das Hauptproblem bei Platons Utopie: Der Mensch ist viel egoistischer in seinem Denken und Handeln, als Platon das lieb ist.
Wenn der Mensch in seinen Wünschen immer gehemmt ist, nicht sagen kann, was er will, sich nicht woanders hinbegeben kann, keine Dinge nur für sich allein besitzen kann, wird die Unzufriedenheit steigen, da realistischerweise nur die wenigsten Menschen bereit sind, für alle Zeit ausschließlich zugunsten anderer auf ihre Eigeninteressen zu verzichten.
Deshalb hat Platon seine strikten Forderungen in seinem Werk „Nomoi“ (Von den Gesetzen) auch etwas abgeschwächt.
Man könnte sagen, diese verbesserte Version ist Platons Vorstellung vom "zweitbesten Staat". Unsere westlichen Demokratien sind letztlich Versuche, diesen "zweitbesten Staat" zu verwirklichen.
Kritisiert wurde an Platon, dass er eine extrem starre Gesellschaftsordnung fordert, die unter Umständen viele sogar glücklich macht, aber alle Bürger ihrer Freiheit beraubt.
Nebenbei gefragt: Hat der Mensch nicht auch das Recht, manchmal unglücklich sein zu dürfen?
Übrigens hat Platon auch versucht, in Sizilien einen dementsprechenden Staat zu schaffen, scheiterte letztendlich jedoch. Dennoch hat Platons Entwurf eines Idealstaates Generationen von Denkern inspiriert, die danach strebten, einen besseren Staat zu schaffen. Auch wir „Alltagsmenschen“ haben unser Idealbild vom menschlichen Zusammenleben. Philosophie ist die Wissenschaft davon, diese Alltagsvorstellungen konsequent weiterzudenken.

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