Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 3: Rousseau

24.02.10, 14:09:46 von philosophie
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Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778)

Rousseau war in vielerlei Hinsicht ein besonderer Vertreter der Aufklärung. Er ging insofern neue Wege, als er die « Vernunftlastigkeit » der Aufklärung ablehnte und das Hauptaugenmerk auf die Gefühle und Sinnlichkeit des Menschen richtete ; beispielsweise in seinem Briefroman « Julie oder die neue Heloise », in der er das natürliche Empfinden des Menschen den starren Anforderungen der Gesellschaft, gegenüberstellt. Mit Rousseau kündigte sich das Zeitalter der Romantik an ; auch Goethe hatte 1774 seinen Roman « Die Leiden des jungen Werther » veröffentlicht, der ebenfalls eine Welle der emotionalen Empfindsamkeit auslöste. Mit seinen Ansichten, seiner schwierigen Persönlichkeit und nicht zuletzt seinen Werken schuf sich Rousseau viele Gegner, (z.B. Voltaire), aber auch zahlreiche Anhänger.
Besonders die Erziehungslehre (Pädagogik) spielte in der Aufklärung eine große Rolle. Die eigentliche Aufgabe der Erziehung sah man bislang darin, die zentrale Fähigkeit des vernünftigen Verhaltens zu wecken. Auch hier war Rousseau Wegbereiter eines neuen Denkens. In seinem Erziehungsroman "Émile" entwickelt er seine Erziehungslehre: Die Erziehung zu einem natürlichen Menschen bestehe darin, zu verhindern, dass er von der verdorbenen Gesellschaft schädlich beeinflusst werde: oberstes Prinzip ist die Verwirklichung der natürlichen Eigenschaften und Anlagen des Menschen, wobei eher Lob und Mitgefühl als Strenge und Bestrafung im Vordergrund stehen sollen. Die Ironie dabei : Rousseau selbst musste drei siner Kinder, aus Unfähigkeit für sie richtig sorgen zu können, in eine Art Weisenhaus geben. Rousseaus Theorien beeinflussten viele PädagogInnen, so z.B. Johann Heinrich Pestalozzi, Johann Gottfried Herder, Adolph Diesterweg, Maria Montessori und Ellen Key.

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