Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 2: Die Encyclopedie, Voltaire, Die Theodizee, Candide

22.04.09, 14:10:41 von philosophie
Die Enzyclopedie

Der Philosoph Denis Diderot und der Mathematiker d'Alembert gaben in jahrzehntelanger Arbeit ab 1750 ein umfassendes Lexikon - die so genannte "Encyclopedie" - heraus.
In diesem Werk sollte das gesamte Wissen des Zeitalters der Aufklärung enthalten sein, von den neuesten Erkenntnissen der Naturwissenschaften bis hin zu banalen Alltagsdingen.
Im Jahr der Fertigstellung 1780 umfasste die Enzyklopädie 28 Haupt- und 7 Ergänzungsbän-de mit etwa 17.000 Artikeln und 2800 Kupferstichen auf insgesamt mehr als 71.000 Seiten. An diesem Monumentalwerk der Menschheitgeschichte arbeiteten zeitweise über hundert Autoren und Zeichner mit, darunter namhafte Vertreter der Aufklärung wie Montesquieu, d'Holbach, Rousseau und Voltaire.

Voltaire und die Theodizee

Die Aufklärer waren überzeugt davon, dass - allen herrschenden Widerständen zum Trotz - in naher Zukunft das "Licht der Wahrheit" siegen und die Schatten der Unwissenheit, des Aberglaubens und der geistigen und politischen Unterdrückung vertreiben werde.
Das Jahrhundert der Aufklärug wurde auch das Jahrhundert der Theodizee genannt. Darunter versteht man die Rechtfertigung, warum es angesichts eines gütigen Gottes böses auf der Welt gibt.
Viele Aufklärer sahen diese Problematik regelrecht als umgekehrten Gottesbeweis: Gott ist allgütig und würde Übel nie zulassen, es gibt Übel, also existiert Gott nicht.
Hatte der Philosoph Leibniz noch behauptet, diese Welt sei aus vernunftgründen die "beste aller möglichen Welten" so war einige Jahre später Voltaire anderer Ansicht.
Ein Ereignis ließ ihn und viele Zeitgenossen an der Vernünftigkeit der Welt zweifeln, das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755, bei dem mehr als 30.000 Menschen den Tod fanden.

Voltaire (1696-1778) (eigentlich Francois Marie Arouet)

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Voltaire gilt als der Hauptvertreter der französischen Aufklärung: Der Schriftsteller, Essayist, Dramatiker und Philosoph schrieb zu Lebzeiten auch an die 70.000 Briefe. Er verkehrte meist in adeligen Kreisen, schrieb an der Enzyklopädie mit, musste aber auch mehrmals den Hof verlassen und konnte auch den Herrscher Friedrich II. von Preußen zu seinen Gönnern und Anhängern zählen. Er vertrat keine eigenständige Philosophie, führte aber mit seinen geistreichen und kritischen Kommentaren die französiche Aufklärung an. Zeitweise musste er sich, kritischer Geist, der er war, jedoch vom französischen Hof fernhalten und lebte lange Zeit in Ferney an der schweizer Grenze, wo er vor Verfolgung sicher war.

Candide

In seinem geistreichen Roman "Candide ou l'Optimisme" (1758) beschreibt Voltaire die Reisen und Erlebnisse des jungen Candide (etwa: der "Unschuldige") auf der Suche nach seiner geliebten Kunigunde. Candide wird von einem Doctor Pangloss unterrichtet (der hier für den Philosophen Leibniz steht) und der davon überzeugt ist, dass auf dieser Welt "alles aufs beste eingerichtet" sei.
Auf zahlreichen Reisen und Abenteuern in Europa, Asien und Südamerika und aus Schilderungen anderer Personen lernt Candide alle Grausamkeiten, Mühsal und Leiden dieser Welt kennen: Naturkatastrophen und Krankheiten genauso wie von Menschen gemachte Leiden wie Glaubensverfolgungen, Folter und Krieg.
Im Lichte der Ereignisse und Schilderungen wirkt schlussendlich die Meinung seines Lehrers Dr. Pangloss wie blanker Hohn. Auch Candide findet keinen "Sinn" im Leiden auf dieser Welt: Wir Menschen müssen uns damit begnügen, an der Verbesserung der Welt mitzuarbeiten, wie Candide bzw. Voltaire es ausdrückt: unseren "Garten zu kultivieren".

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Alle Kommentare RSS

  1. Anonym sagt:
    Ich finde die Vorlesung einfach genial!! Wie wärs mit Deutschland sucht den Superstar? :)
  2. MCJuergen sagt:
    Denkst du nicht, dass deine Schüler (vor allem der letzte Leser) ein bisschen zu jung für solch komplexe Materie sind? Ansonsten sehr gut gelungen! *thumbsup*

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