Kapitel 10 - Logik Teil 2: Argumentationsfehler

21.04.09, 22:29:53 von philosophie
Argumentationsfehler

Ad hominem-Argument

Dies ist sicher einer der am häufigsten begangenen Argumentationsfehler: Man verucht, das von seinem Gegenüber vorgebrachte Argument schlecht zu machen, indem man nicht die Sache, sondern die Person selber kritisiert.

Beispiel “(Der Philosoph) Jean-Jacques Rousseau hatte kein Recht, über Kindererziehung zu schreiben, denn er hat selbst seine fünf Kinder ins Waisenhaus abgeben müssen.“

Es ist wahr, dass Rousseau seine Kinder in eine Waisenhaus geben musste, aber das was er über Kindererziehung geschrieben hat kann dennoch wahr sein.

Petitio prinzipii (Zirkelschluss)

In einem Zirkelschluss wird eine These aus Argumenten abgeleitet und diese Argumente werden ihrerseits aus derselben These gefolgert.
Beispiel: Man möchte jemanden davon überzeugen, dass er Christ sein soll und führt als Ar-gument an, dass die Bibel dies verlangt. Doch um die Aussagen der Bibel für wahr zu halten, muss man bereits Christ sein, muss man an Gott und die Wahrheit der Schriften, die von ihm berichten, glauben.

Ad-baculum-Argument

(baculum: Stab)
Meist versteckte Drohung mit Formen von Macht und Gewalt, die unterschiedlichesten For-men annehmen kann:
• Unmäßig lautes Sprechen, andere "niederreden"
• Heftiges emotionales Gestikulieren, lautstarkes Auftreten, andere bewusst unterbre-chen, Brüllen, einschüchterndes Auftreten.
• Sprechen, ohne den anderen zu Wort kommen zu lassen.
• Weigerung, überhaupt mit jemandem zu sprechen, andere gar nicht als Diskussions-partner zuzulassen.
• Drohung, die Diskussion abzubrechen.
• Einbinden des Publikums für seine Zwecke.
• Das Publikum unterstützt nur einen bestimmten Sprecher mit Applaus, während es den anderen ausbuht, Lärm macht, den Sprecher auslacht.
• Versteckte oder offene Gewaltandrohung.
• Drohung mit politischen ("dann werden wir ihrem Projekt im Landtag auch nicht zu-stimmen"), rechtlichen ("das wird eine Klage nach sich ziehen"), wirtschaftlichen ("wenn sie nicht von öffentlicher Hand unterstützt werden, werden die Frächter die hohen Treibstoffpreise an die Konsumenten weitergeben") Konsequenzen.

Unklare Konklusionen

Beispiel: „Wenn XY Bundeskanzler wird kann sich wohl jeder Österreicher denken, was da auf ihn zukommt.“

Fangfrage

Beispiel:"Hast du endlich aufgehört, deine Freundin zu betrügen?"
...fordert die Antworten "Ja" oder "Nein".
"Ja" (...ich habe aufgehört, meine Freundin zu betrügen = ich habe meine Freundin in der Vergangenheit betrogen)
"Nein" (...ich habe nicht aufgehört, meine Freundin zu betrügen = ich betrüge sie immer noch)
Einziger Ausweg ist hier, die Frage selbst zurückzuweisen.

Argumentum ad misericordiam (Appell an das Mitleid);

Ein Zuwanderer aus dem Kosovo hat eine Tankstelle überfallen und 230 Euro Beute ge-macht. Vor Gericht weist sein Verteidiger darauf hin, in welch desolaten familiären Verhält-nissen der Täter aufgewachsen ist: Er könne aufgrund seines Vorlebens gar nicht wissen, was gut und was schlecht ist. Er sei daher an der Tat unschuldig und muss freigesprochen werden.

Bedeutungswechsel

Beispiel:
Alle Menschen sind frei, solange ihr Denken nicht beschränkt ist.
Auch Gefängnisinsassen sind in ihrem Denken nicht beschränkt.
Daher sind Gefängnisinsassen frei.

Entweder/Oder-Fehlschluss „Schwarz/Weiß-Fehler“

Beispiel:

Der Fehler hier hat die folgende logische Form:
1.) Prämisse: Entweder A oder B.
2.) Prämisse: A
3.) Konklusion Also B.

Der Schluss ist logisch richtig, der Fehler liegt nur darin, dass 1.) nicht der Wirklichkeit ent-spricht. Das Gegenteil von Aberglauben ist nicht Fatalismus, das Gegenteil ist (weitgehende) Willensfreiheit: Wir können viele Dinge kontrollieren, manche jedoch nicht.


Tu-Quoque-Argument

Der Angesprochene geht hier auf die Frage gar nicht ein, sondern weist auf das moralische Fehlverhalten des anderen hin, um sein eigenes Fehlverhalten zu rechtfertigen.

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