Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 2: Aristoteles

10.03.10, 12:05:52 von philosophie
Aristoteles (384-322 v. Chr.)

Aristoteles war ein Schüler Platons. Als junger Mann war er Lehrer Alexanders des Großen. Nach dem Tode Alexanders war die Zeit für Parteigänger Alexanders in Athen sehr ungünstig, weshalb Aristoteles aus der Stadt flüchten musste. Bezugnehmend auf Sokrates sagte er, er sei geflohen, damit die Athener nicht noch einmal denselben Fehler begehen, den besten Philosophen hinzurichten...

Aristoteles hatte Interessen in fast allen Wissensgebieten der damaligen Zeit.
In Bezug auf die Politik sammelte Aristoteles beispielsweise die Verfassungstexte vieler Staaten seiner Zeit und verglich sie miteinander.
Aristoteles unterscheidet in seinem Werk "Politik" Zunächst, wie viele Herrschende ein Staat hat.

- Wenn nur einer herrscht, nennt man das eine Monarchie.
- Wenn mehrere herrschen, nennt man das eine Oligarchie. (="Herrschaft der Wenigen") oder auch Aristokratie (="Herrschaft der Besten").
- Wenn alle herrschen, nennt man das eine Demokratie. (="Herrschaft des Volkes")

Diese Herrschaftsformen sind die "gute Variante". Wenn diese Herrschaft entartet, verändern sie ihr Wesen und sie wird dementsprechend auch anders bezeichnet:

- Wenn ein einzelner Herrscher seine Macht missbraucht wird die Monarchie zur Tyrannis.
- Wenn die Herrschaft der Wenigen entartet, weil sie die Oligarchen nur noch sich selbst bereichern, wird sie zur Plutoktatie.
- Wenn die Demokratie entartet, wird sie zur Ochlokratie (="Herrschaft des Pöbels").

Hatte Platon noch eine sehr statisches, unbewegliches Modell der Staatstheorie kommt bei Aristoteles zum ersten Mal Bewegung in die Sache. Er meinte, dass es in der Geschichte eine Weiterentwicklung der Staatssysteme gäbe, die folgendermaßen vor sich geht:

- Zu Beginn herrscht ein guter Monarch.
- Nach einiger Zeit verfällt die gute Regierung und aus dem guten Monarchen wird ein Tyrann.
- Nun bildet sich eine Opposition der Adeligen (Aristokratie), die dem Tyrannen die Herrschaft entreißt.
- Nach einiger Zeit verfällt auch diese Herrschaft und die Adeligen bereichern sich nur noch selbst, ohne auf das Volk zu achten. (Plutokratie)
- Nun sind die Massen vollends unzufrieden und das Volk übernimmt die Herrschaft: Demokratie.
- Nun entartet auch die Demokratie und weil es keine funktionierenden politischen Strukturen gibt, herrscht bald nur noch der Pöbel auf der Straße (Ochlokratie).
- Diese Entwicklung mündet in den Bürgerkrieg. Nun werden die Rufe nach einem starken Herrscher laut, der wieder für Recht und Ordnung sorgt. Es entsteht wieder eine Monarchie und ein neues Zeitalter beginnt.
- Zu Beginn herrscht wieder ein guter Monarch...


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Kapitel 12 - Politische Philosophie, Teil 1: Platon

10.03.10, 11:56:51 von philosophie
Platon (427-347 v. Chr.)
Als einer der ersten Philosophen des Abendlandes machte sich der griechische Philosoph Platon Gedanken darüber, wie die beste Regierungsform auszusehen habe.
Überall sah Platon Missstände und Fehlentwicklungen. Platon machte sich daran, einen Gegenentwurf auszuarbeiten, seine Vorstellung eines Idealen Staates darzulegen.
Wie sollte dieser "ideale Staat" nun aussehen?
Alle Menschen sollen nicht für sich, sondern für den Staat arbeiten. Der Staat wiederum gibt einem jeden Bürger seinen benötigten Anteil.
Der Staat soll nämlich in erster Linie "selbstgenügsam" sein, das heißt jeder Staatsbürger sollte für sich "zufrieden" sein. Denn wenn es keinen Neid, keine Gier gibt, gibt es auch keinen Krieg gegen den Nachbarn, keine Spannungen im Inneren des Staates.

Zunächst sollten die Staatsbürger drei Klassen umfassen:
• Die unterste Klasse umfasst die meisten Menschen: Bürger, Bauern und Handwerker sollen für die Versorgung des Staates zuständig sein.
• Die mittlere Schicht sind die "Krieger" oder auch "Wächter": Sie sorgen für Sicherheit nach außen und Ruhe im inneres des Staatswesens.
• An der Spitze schließlich steht der edelste, vornehmste und intelligenteste Bürger des Staates: Der Philosophenkönig.
Nur die Philosophen haben den Überblick und den Weitblick, die Geschicke des Staates zu lenken, weil sie der Wahrheit am nächsten stehen.

Philosophen als Könige – Das klingt vielleicht wie ein Witz. Platon war es absolut ernst damit. Platon soll, so die Legende, kein einziges Mal in seinem Leben gelacht haben...
Laut Platon sollte niemand seine Klasse verlassen können: Nur wenn jeder „seinen“ Beruf ausübt, kann derjenige für die Gemeinschaft nützlich sein. Außerdem solle es staatlich geregelte Geburtenkontrolle geben, damit der Staat nie zuviel und zuwenig Bürger hat. Nur so sei die Harmonie des Staates auch in Zukunft gegeben.
All dies legte Platon in seinem Werk „Politeia“ (Vom Staat) dar.

Platon Staat – Eine Utopie

Was Platon hier unternahm, nennt man im Allgemeinen eine Utopie:
Utopie bedeutet – etwas frei übersetzt – „Der Ort Nirgendwo“. Diesen Staat gibt es nicht, es soll ihn jedoch eines Tages geben.
Übrigens: Wie sollte das eigentlich vonstatten gehen?
Platon war kein Freund langwieriger Entwicklungsprozesse. Die Staatslenker sollten, ungefähr so wie ein Maler, das "alte Bild wegwischen" und auf das leere Papier "neue Farbe" auftragen. Was eigentlich bedeutet: Revolution! Die alten Herrschaftsstrukturen müssen radikal „weggewischt“ werden, um dem Neuen Platz zu schaffen, wenn nötig auch mit Gewalt. Und da die Umwälzung ziemlich groß sein muss, ist wahrscheinlich sehr viel Gewalt notwendig…
Das Hauptproblem bei Platons Utopie: Der Mensch ist viel egoistischer in seinem Denken und Handeln, als Platon das lieb ist.
Wenn der Mensch in seinen Wünschen immer gehemmt ist, nicht sagen kann, was er will, sich nicht woanders hinbegeben kann, keine Dinge nur für sich allein besitzen kann, wird die Unzufriedenheit steigen, da realistischerweise nur die wenigsten Menschen bereit sind, für alle Zeit ausschließlich zugunsten anderer auf ihre Eigeninteressen zu verzichten.
Deshalb hat Platon seine strikten Forderungen in seinem Werk „Nomoi“ (Von den Gesetzen) auch etwas abgeschwächt.
Man könnte sagen, diese verbesserte Version ist Platons Vorstellung vom "zweitbesten Staat". Unsere westlichen Demokratien sind letztlich Versuche, diesen "zweitbesten Staat" zu verwirklichen.
Kritisiert wurde an Platon, dass er eine extrem starre Gesellschaftsordnung fordert, die unter Umständen viele sogar glücklich macht, aber alle Bürger ihrer Freiheit beraubt.
Nebenbei gefragt: Hat der Mensch nicht auch das Recht, manchmal unglücklich sein zu dürfen?
Übrigens hat Platon auch versucht, in Sizilien einen dementsprechenden Staat zu schaffen, scheiterte letztendlich jedoch. Dennoch hat Platons Entwurf eines Idealstaates Generationen von Denkern inspiriert, die danach strebten, einen besseren Staat zu schaffen. Auch wir „Alltagsmenschen“ haben unser Idealbild vom menschlichen Zusammenleben. Philosophie ist die Wissenschaft davon, diese Alltagsvorstellungen konsequent weiterzudenken.

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Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 7: Das Theodizeeproblem

10.03.10, 11:45:54 von philosophie
Das Theodizeeproblem

Neben den Gottesbeweisen ist eines der Hauptthemen in der Religionsphilosophie das so genannte „Theodizeeproblem“. Darunter versteht man den Versuch, die Güte und Gerechtigkeit Gottes zu rechtfertigen, angesichts der Tatsache, dass es auf der Welt Leiden gibt. Warum gibt es Naturkatastrophen, Krieg, Krankheiten und Schmerzen, wenn es einen gütigen, einen „lieben“ Gott gibt? Diese Frage wurde sogar zu einem „negativen Gottesbeweis“ umformuliert.
1. Ein gütiger Gott würde kein Leid zulassen
2. Es gibt Leid.
3. Daher gibt es keinen gütigen Gott.

Hier sind einige der wichtigsten traditionellen Rechtfertigungsversuche und der Gegenargumente:

„Gott schuf die bestmögliche Welt, was sich in der Geordnetheit des Universums zeigt. Auch der Schöpfer kann nicht verhindern, dass die Naturgesetze des Universums notwendigerweise Leid (z.B. Erdbeben) mit sich bringen. Ein geordnetes Universum ist aber in jedem Falle besser als ein ungeordnetes.“
Einwände: Ist die Welt wirklich so wohlgeordnet? Wie steht es um die Allmacht Gottes, wenn er sich (von ihm aus dem Nichts geschaffenen!) Naturgesetzen unterordnen muss? Warum gibt es so viele Krankheiten, die nicht das Immunsystem stärken, sondern völlig sinnlos, weil unheilbar, sind? Beispiel: Es könnte eine Zellsubstanz geben, die die krankhafte Zellwucherung verhindert. Warum haben wir aus nichtigen Gründen starke Kopfschmerzen, aber eine gefährliche Krebserkrankung macht sich unter Umständen durch gar nichts bemerkbar, warum haben wir also ein schlechtes Warnsystem? Man könnte sich jederzeit – wenn schon keine beste – zumindest eine bessere Welt vorstellen; warum könnte diese nicht verwirklicht sein und sie müsste verwirklicht sein, wenn es einen vollkommen Gott gebe. Dieser könnte nur vollkommene Dinge schaffen.

2.„Leid ist ein notwendiger Gegensatz Gott schuf die bestmögliche Welt, was sich in der Schönheit des Universums zeigt. Schönheit setzt jedoch Kontrastreichtum voraus, ohne das Hässliche könnten wir das Schöne nicht erkennen. Ein schönes Universum ist aber in jedem Falle besser als ein hässliches.“
Einwände: Ist das Foltern eines Kindes notwendig, damit unsere Welt schön ist? Wenn durch Impfung eine Krankheit ausgerottet werden kann, verringert sich dann auch die Schönheit der Welt? Außerdem: Leid kann ohne Gutes erfahren werden. Warum soll es umgekehrt nicht sein? Und: Wenn es kein ausschließlich Gutes ohne Leid geben kann, dann dürfte es ja auch keinen Himmel geben. Und: Setzt Schönheit immer und überall Kontraste voraus?

„Alles Leid erfüllt eine wichtige Funktion, nämlich die der sittlichen Besserung. Es dient der Ausbildung moralischer Tugenden wie Solidarität, Mitgefühl, Tapferkeit, Pflichtgefühl.“
Einwände: Das Leid der Tiere beispielsweise kann zunächst gar nicht damit erklärt werden, weil Tiere zur Ausbildung der oben genannten Fähigkeiten nicht (oder nur in eingeschränktem Maße) fähig sind. Soll die Todespein von Menschen wirklich dadurch gerechtfertigt sein, dass andere lernen, sich mildtätig zu verhalten? Haben diese höheren Tugenden überhaupt noch einen moralischen Wert, wenn sie um den Preis erkauft werden, dass unschuldige Menschen sinnlos leiden müssen? Gibt es nicht viele Menschen, die durch Leid gerade nicht solche Tugenden entwickeln, sondern im Gegenteil daran verzweifeln und zerbrechen? Entsteht dadurch nicht neues Leid und Verbitterung? Und wenn ich Böses tue, ist das nicht eigentlich begrüßenswert, weil ich dadurch die Möglichkeit schaffe, dass Menschen eben diese höheren Werte anstreben? War vielleicht sogar der Holocaust gut, weil er bei der Bekämpfung der Nationsasozialisten zur Ausbildung menschlicher Tugenden geführt hat? Dieser Rechtfertigungsversuch führt zu moralischem Chaos, zur Missachtung aller unserer Intuitionen - also gerade n i c h t zu mehr Moralität und ist insgesamt schwer nachvollziehbar, wenn nicht sogar hochgradig zynisch. Legt die Vorstellung, dass Leid absichtlich gebilligt wird, nicht vielmehr einen bösen Gott nahe?

„Gott schuf die bestmögliche Welt, was sich in der Freiheit des Menschen zeigt. Freiheit bedingt, dass Menschen sie (gelegentlich) missbrauchen und das Böse tun. Die meisten Leiden der Welt kommen auf diese Weise durch den Menschen selbst in die Welt“
Einwände: Dieses Argument bezieht sich nur auf die moralischen Übel, daneben gibt es enorm viel sinnloses Leid, für das der Mensch gar nicht verantwortlich ist (z.B. Naturkatastrophen) Und zum menschlichen Fehlverhalten: Wenn ein Vater sieht, dass sein Kind in den Abgrund läuft, wird er dies nicht verhindern, wenn er es liebt und damit dessen Freiheit einschränken? Warum sind wir überhaupt so geschaffen, dass es so schwierig ist, moralisch zu sein? Warum sind wir nicht „von Haus aus“ mit mehr Verstand und Mitgefühl ausgestattet? Wenn Gott als allmächtig gedacht wird, fällt das Verhalten der Geschöpfe immer auf den Schöpfer zurück. Außerdem erklärt dieses Argument wiederum nicht, warum es so VIEL Leid gibt. Im übrigen: Freiheit alleine ist eigentlich noch gar kein Wert, erst wenn sich diese mit z.B. Wohltätigkeit verbindet, wird Freiheit sozusagen „wert-voll“. Oft wird sogar die Freiheit selbst als Übel empfunden, die sprichwörtliche „Qual der Wahl“. Nebenbei bemerkt gibt es auch Meinungen von religiöser Seite (z.B. im Calvinismus), wonach dem Menschen überhaupt keine Freiheit zukommt.

„Eigentlich gibt es gar keine Übel! Die angeblichen Übel sind bloß eine Beraubung, eine Unordnung, Böses ist lediglich ein Mangel an Gutem. (die so genannte „Privationslehre“)“
Einwände: Während „Glück“ oft schwierig zu definieren ist, wird gerade Leid als sehr real empfunden. Wenn mein heftiger Zahnschmerz eine Täuschung ist – was ist dann noch real? Legt diese Weltsicht nicht einen täuschenden Gott nahe? Und wenn es gar kein Leid gibt – wofür brauchen wir dann noch den Erlöser?

„Es gibt Übel, aber: Gott selbst litt für uns und er ist es, der mit uns die Last des menschlichen Leides trägt.“
Einwände: Die Idee des „leidenden Gottes“ wird hauptsächlich im Christentum, weniger oder gar nicht im Islam oder Judentum vertreten, nicht zuletzt, weil dies Gottes Allmacht zu widersprichen scheint. Insgesamt ist die Argumentationsweise etwas verwirrend: Gott schafft selbst Leid oder lässt Leid zumindest zu und leidet dann selbst darunter? Kann damit nicht jeder Schmerz, den Menschen einander zufügen gerechtfertigt werden? Abermals erklärt dieses Argument auch nicht die Überfülle an Leid, mit der wir Menschen konfrontiert sind.

„Gott ist die höchste Güte, aber seine Güte ist nicht die unsere. Gott ist mit menschlichen Kategorien nicht zu begreifen. Da wir seine Wege nicht verstehen, kann er auch nicht kritisiert werden.
Einwände : Wenn es vermessen ist, Gott zu kritisieren, ist es auch vermessen, ihn zu verteidigen. Das Argument erweist sich als Bumerang, denn nun könnte man einhaken und sagen : Ja, vielleicht gibt es einen Gott, aber wenn wir ihn nicht verstehen, wie können wir dann noch sicher sein, dass wir überhaupt den richtigen Gott anbeten ? Wenn wir aus menschlicher Perspektive gar nichts Sinnvolles und Verständliches über Gott aussagen können, welche Bedeutung hat er dann noch für uns? Aus einem Buch, das in einer unverständlichen Sprache geschrieben ist, können wir auch nichts lernen.

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Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 6: Kants Ethik und seine Ästhetik

24.02.10, 14:39:47 von philosophie
Was soll ich tun? (Kants Ethik)

Menschen fragen jedoch nicht nur "Was kann ich wissen?", die entscheidende Frage, vor allem für unser praktisches Leben, lautet "Was soll ich tun?".
Kann die Vernunft uns einen Leitfaden in die Hand geben, der uns klar sagt, was wir tun müssen, wenn wir moralisch, das heißt gut handeln wollen?
Ja, das vermag die Vernunft, schreibt Kant in seiner „Kritik zur praktischen Vernunft!“

Was ist nun moralisches, gutes Handeln?
Kants Antwort: Es gibt nichts in der Welt, was gut genannt werden könnte, außer der gute Wille. Das heißt, gut sein bedeutet gut sein wollen. Vernunftgemäß handeln!
Die These von Kant lautet also: „Eine Handlung ist durch die praktische Vernunft bedingt.“
Wir handeln nach praktischen Grundsätzen:
oder nach objektiven Grundsätzen = IMPERATIVE,
das sind notwendige Regeln

Bei den Imperativen unterscheidet er zwischen dem hypothetischen und dem kategorischen Imperativ.

Hypothetischer Imperativ Kategorischer Imperativ
Regeln, die vorschreiben, was ich tun soll, um das zu erreichen, was ich mir wünsche.
„Um ein hohes Alter zu erreichen, muss ich gesund leben!“
Das gilt für jeden Menschen. Zerstört er seine Gesundheit, wird er erkranken und sterben.
Der hyp. Imperativ gilt allgemein, aber nur bedingt.
Oberste Richtschnur für ein vernunftgemäßes, somit auch sittliches Handeln ist der sogenannte „Kategorische Imperativ“;
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz werde.“

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Das heißt, wir sollen nur so handeln, dass wir uns gleichzeitig wünschen können, dass die Regeln nach denen wir handeln zum allgemeinen Gesetz werden.


Laut Kant ist die Einstellung entscheidend dafür, ob wir etwas als moralisch richtig bezeichnen können. Nicht die Konsequenzen der Handlung sind entscheidend. Deshalb spricht man bei Kants Ethik auch von Gesinnungsethik (Deontologische Ethik)

z.B. Wer Reiche beraubt um Armen zu helfen und das aus Gewissensüberzeugung tut = gut. Wer aber Armen hilft um sein eigenes Ansehen zu erhöhen handelt schlecht!!

Ästhetik, Genie und Schönheit

In der dritten großen Kritik, der „Kritik der Urteilskraft“, geht es um die Frage, in wie weit ist der Mensch imstande so etwas wie Geschmacksurteile zu fällen, das heißt also zu beurteilen, ob ein Gegenstand, ein Bild ein Film oder ein Lied hässlich oder schön ist.
Damit wurde Kant zum Grundleger der modernen Ästhetik. (Lehre davon, was schön ist).
Er ging davon aus, dass die Grundlage unseres ästhetischen Urteilsvermögens in unserem Geschmacksvermögen liegt. Der Geschmack, so Kant, ist eigentlich in seiner Basis rein subjektiv. Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich nicht streiten. Geschmacksempfindungen können nicht - wie etwa eine falsche mathematische Berechnung - widerlegt werden.
Dennoch neigen wir dazu, so Kant, diese subjektiven Geschmacksempfindungen, vor allem im Bereich der Ästhetik, als quasi objektive Geschmacksurteile zu formulieren.
Wir sagen, dieses Buch ist gut und nicht, dieses Buch gefällt mir.
Wir suchen die Zustimmung, den Konsens, zumindest die Auseinandersetzung mit anderen.

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Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 5: Kants Erkenntnistheorie

24.02.10, 14:32:16 von philosophie
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Immanuel Kant
1724 bis 1804

Einer der wichtigesten deutschen Aufklärer, der wahrscheinlich wichtigste deutsche Philosoph war der Philosoph Immanuel Kant. Kant wuchs in einfachen Verhältnissen auf und war das vierte von elf Kindern einer Handwerkerfamilie. Kant besuchte Gymnasium und Universität in Königsberg, studiert Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften. Er strebte eine akademische Karriere an, musste sich aber jahrelang als Hauslehrer durchschlagen. Er führt unspektakuläres und Leben und verlässt Königsberg nie. Er unterwirft sein Leben den Maximen seiner Vernunft, gestaltet es vollkommen regelmäßig und versagt sich alles, von dem er annimmt, dass es ihn schädigen könnte. Kant stirbt als Achtzigjähriger 1804 in Königsberg.
Kants Hauptwerk, Die Kritik der reinen Vernunft, gilt als eines der schwierigsten Bücher der philosophischen Literatur, obwohl Kant sich hier einfache Fragen stellt:
• Was leistet die Vernunft für die menschliche Erkenntnis?
• Wie sind die Grenzen der Vernunft zu ziehen?
• Was leistet sie für die Beantwortung der alten metaphysischen Fragen (Freiheit des Menschen, Unsterblichkeit der Seele, Existenz Gottes)?
Ein Hauptanligen seines Denkens war es, die Stömungen des Rationalismus und des Empirismus zu versöhnen.
Kants Kritik lautete: „Theorie ohne Empirie ist leer, Empirie ohne Theorie ist blind“. Die Sinneseindrücke, Wahrnehmungen oder Erfahrungen werden durch den Verstand geordnet.
Voraussetzung aller Erfahrung sind nach Kant erst einmal die

Anschauungsformen, - die transzendenten Formen - wie
 Raum,
 Zeit,
 Ursache und
 Wirkung,

Sie gehen der Erfahrung voraus, sie sind von vornherein da – also a priori gültig.
Dann ordnet der Verstand die Wahrnehmungen nach bestimmten Kategorien, die ebenfalls a priori gültig sind.

Diese Kategorien sind nach Kant
 Qualität,
 Quantität (was ich von ihrer Anzahl sagen kann: Einheit, Vielfalt)
 Relation (ihre möglichen Beziehungen zu anderen)
 Modalität ( wie etwas ist - möglich, zufällig, notwendig...)

Entscheidend war die Frage, wie abtrakte Begriffe wie Raum, Zeit, Ausdehnung und Substanz zustandekommen. Die Empiristen hatten die Meinung vertreten, dass der Mensch an den Dingen der Realität nach und nach lerne, den Begriff "Raum" zu abstrahieren.

Kant verneinte dies und vertrat die gegenteilige Ansicht: Die Begriffe "Raum" oder "Zeit" müssen bereits vorhanden sein, um Raum-Erfahrungen oder Zeit-Erfahrungen machen zu können.
Damit kehrte er die Vorstelllungen seiner zeit völlig um und leitete etwas ein, das er die "kopernikanische Wende in der Philosphie" nannte.
Die Hauptaussauge seiner Philosphie lautet:
Die Erkenntnis richtet sich nicht nach dem Gegenstand, sondern der Gegenstand nach der Erkenntnis.

Die Kategorien und Anschauungsformen, also die Voraussetzungen des Verstandes, die aller Erfahrung voraus gehen müssen, die von der Erfahrung unabhängig sind, sind also a priori.
Was aber erst aus der Erfahrung gewonnen werden kann, nannte er a posteriori.

Er geht von vier verschiedenen Urteilsformen aus:

1. A priori – vor der Erfahrung, „von vornherein“, gedacht
2. A posteriori – „im Nachhinein“, werden aus der Erfahrung gewonnen, z.B. was Größer oder Kleiner ist, lerne ich aus der Erfahrung
Diese sind Begriffe der Erkenntnistheorie
3. analytisch ( Wahrheit wird aus der Analyse des Begriffs abgeleitet) :
Beispiele :der Kreis ist rund, Junggesellen sind unverheiratete Männer, die Summe der Innenwinkel eines Dreicks ist immer 180°, für ein rechtwinkeliges Dreieck gilt : c² = a² + b²
4. synthetisch (zusammensetzen, zergliedern) : nicht-analytische Aussagen : « Heute ist das Wetter schön. »

Kant scher Kasten
KantscherKasten.JPG



Eine der Hauptfragen nach Kant ist die Frage, ob es synthetische Aussagen a priori gibt.

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Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 4: Adam Smith

24.02.10, 14:11:45 von philosophie
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Adam Smith (1723 bis 1790)

Neben David Hume gibt es einen weiteren Schotten, der bedeutende Beiträge zur Philosophie der Aufklärung leistete : Adam Smith. Der aus dem schottischen Kirkaldy stammande Smith lehrte an der Universität von Glasgow, und war mit David Hume freundschaftlich verbunden. Man könnte Adam Smith mit einigem Recht als einen « schrulligen Professor » charakterisieren, denn er führte manchmal Selbstgespräche und schien oft geistesabwesend und völlig in Gedanken versunken zu sein. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, regen Anteil am geistigen Leben seiner Zeit zu nehmen und als Rektor der Universität Glasgow deren Geschäfte zu führen.
Mit seinem 1776 veröffentlichten Werk «Wealth of Nations», seinem Lebenswerk, dem er enorm viel Zeit (und einen Teil seiner körperlichen Gesundheit opferte), legte er den Grundstein für die freie Marktwirtschaft, indem er die Behauptung aufstellte, jedes Streben zum eigenen Vorteil (Egoismus) diene letztlich auch der Gesamtheit. Er lehnte die zu seiner Zeit vorherrschende Monopolwirtschaft ab und setzte sich für den Freihandel ein. Smith betrachtete den Markt als zweiten wichtigen Mechanismus neben dem Staat, da der Markt weitaus effizienter und anonymer Leistung belohnt. Der Staat hat allerdings weiterhin die wichtige Aufgabe, die Rahmenbedingungen für den Markt zu schaffen (z.B. Bau von Straßen oder Schulen). Im freien Markt würde sich Angebot und Nachfrage selbst regulieren und auf diese Weise gleichsam von einer "unsichtbaren Hand" geführt werden.
So wurde Adam Smith zum Vordenker der freien Marktwirtschaft, des wirtschaftlichen Liberalismus und des Kapitalismus, der Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft. Leider wurde Smiths Lehre absichtlich fehlinterpretiert und das ungebremste, rücksichtslose Gewinnstreben des 19. Jahrhunderts und das zeitweise nahezu völlige Außerachtlassen der Aufgaben des Staates führte zu enormen sozialen Missständen. All dies hätte der Menschenfreund Adam Smith sicher nicht gutgeheißen.

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Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 3: Rousseau

24.02.10, 14:09:46 von philosophie
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Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778)

Rousseau war in vielerlei Hinsicht ein besonderer Vertreter der Aufklärung. Er ging insofern neue Wege, als er die « Vernunftlastigkeit » der Aufklärung ablehnte und das Hauptaugenmerk auf die Gefühle und Sinnlichkeit des Menschen richtete ; beispielsweise in seinem Briefroman « Julie oder die neue Heloise », in der er das natürliche Empfinden des Menschen den starren Anforderungen der Gesellschaft, gegenüberstellt. Mit Rousseau kündigte sich das Zeitalter der Romantik an ; auch Goethe hatte 1774 seinen Roman « Die Leiden des jungen Werther » veröffentlicht, der ebenfalls eine Welle der emotionalen Empfindsamkeit auslöste. Mit seinen Ansichten, seiner schwierigen Persönlichkeit und nicht zuletzt seinen Werken schuf sich Rousseau viele Gegner, (z.B. Voltaire), aber auch zahlreiche Anhänger.
Besonders die Erziehungslehre (Pädagogik) spielte in der Aufklärung eine große Rolle. Die eigentliche Aufgabe der Erziehung sah man bislang darin, die zentrale Fähigkeit des vernünftigen Verhaltens zu wecken. Auch hier war Rousseau Wegbereiter eines neuen Denkens. In seinem Erziehungsroman "Émile" entwickelt er seine Erziehungslehre: Die Erziehung zu einem natürlichen Menschen bestehe darin, zu verhindern, dass er von der verdorbenen Gesellschaft schädlich beeinflusst werde: oberstes Prinzip ist die Verwirklichung der natürlichen Eigenschaften und Anlagen des Menschen, wobei eher Lob und Mitgefühl als Strenge und Bestrafung im Vordergrund stehen sollen. Die Ironie dabei : Rousseau selbst musste drei siner Kinder, aus Unfähigkeit für sie richtig sorgen zu können, in eine Art Weisenhaus geben. Rousseaus Theorien beeinflussten viele PädagogInnen, so z.B. Johann Heinrich Pestalozzi, Johann Gottfried Herder, Adolph Diesterweg, Maria Montessori und Ellen Key.

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Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 2: Die Encyclopedie, Voltaire, Die Theodizee, Candide

22.04.09, 14:10:41 von philosophie
Die Enzyclopedie

Der Philosoph Denis Diderot und der Mathematiker d'Alembert gaben in jahrzehntelanger Arbeit ab 1750 ein umfassendes Lexikon - die so genannte "Encyclopedie" - heraus.
In diesem Werk sollte das gesamte Wissen des Zeitalters der Aufklärung enthalten sein, von den neuesten Erkenntnissen der Naturwissenschaften bis hin zu banalen Alltagsdingen.
Im Jahr der Fertigstellung 1780 umfasste die Enzyklopädie 28 Haupt- und 7 Ergänzungsbän-de mit etwa 17.000 Artikeln und 2800 Kupferstichen auf insgesamt mehr als 71.000 Seiten. An diesem Monumentalwerk der Menschheitgeschichte arbeiteten zeitweise über hundert Autoren und Zeichner mit, darunter namhafte Vertreter der Aufklärung wie Montesquieu, d'Holbach, Rousseau und Voltaire.

Voltaire und die Theodizee

Die Aufklärer waren überzeugt davon, dass - allen herrschenden Widerständen zum Trotz - in naher Zukunft das "Licht der Wahrheit" siegen und die Schatten der Unwissenheit, des Aberglaubens und der geistigen und politischen Unterdrückung vertreiben werde.
Das Jahrhundert der Aufklärug wurde auch das Jahrhundert der Theodizee genannt. Darunter versteht man die Rechtfertigung, warum es angesichts eines gütigen Gottes böses auf der Welt gibt.
Viele Aufklärer sahen diese Problematik regelrecht als umgekehrten Gottesbeweis: Gott ist allgütig und würde Übel nie zulassen, es gibt Übel, also existiert Gott nicht.
Hatte der Philosoph Leibniz noch behauptet, diese Welt sei aus vernunftgründen die "beste aller möglichen Welten" so war einige Jahre später Voltaire anderer Ansicht.
Ein Ereignis ließ ihn und viele Zeitgenossen an der Vernünftigkeit der Welt zweifeln, das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755, bei dem mehr als 30.000 Menschen den Tod fanden.

Voltaire (1696-1778) (eigentlich Francois Marie Arouet)

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Voltaire gilt als der Hauptvertreter der französischen Aufklärung: Der Schriftsteller, Essayist, Dramatiker und Philosoph schrieb zu Lebzeiten auch an die 70.000 Briefe. Er verkehrte meist in adeligen Kreisen, schrieb an der Enzyklopädie mit, musste aber auch mehrmals den Hof verlassen und konnte auch den Herrscher Friedrich II. von Preußen zu seinen Gönnern und Anhängern zählen. Er vertrat keine eigenständige Philosophie, führte aber mit seinen geistreichen und kritischen Kommentaren die französiche Aufklärung an. Zeitweise musste er sich, kritischer Geist, der er war, jedoch vom französischen Hof fernhalten und lebte lange Zeit in Ferney an der schweizer Grenze, wo er vor Verfolgung sicher war.

Candide

In seinem geistreichen Roman "Candide ou l'Optimisme" (1758) beschreibt Voltaire die Reisen und Erlebnisse des jungen Candide (etwa: der "Unschuldige") auf der Suche nach seiner geliebten Kunigunde. Candide wird von einem Doctor Pangloss unterrichtet (der hier für den Philosophen Leibniz steht) und der davon überzeugt ist, dass auf dieser Welt "alles aufs beste eingerichtet" sei.
Auf zahlreichen Reisen und Abenteuern in Europa, Asien und Südamerika und aus Schilderungen anderer Personen lernt Candide alle Grausamkeiten, Mühsal und Leiden dieser Welt kennen: Naturkatastrophen und Krankheiten genauso wie von Menschen gemachte Leiden wie Glaubensverfolgungen, Folter und Krieg.
Im Lichte der Ereignisse und Schilderungen wirkt schlussendlich die Meinung seines Lehrers Dr. Pangloss wie blanker Hohn. Auch Candide findet keinen "Sinn" im Leiden auf dieser Welt: Wir Menschen müssen uns damit begnügen, an der Verbesserung der Welt mitzuarbeiten, wie Candide bzw. Voltaire es ausdrückt: unseren "Garten zu kultivieren".

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Kapitel 11 - Die Aufklärung, Teil 1: Was ist Aufklärung?

22.04.09, 13:59:17 von philosophie
Die Aufklärung

Unter Aufklärung versteht man die geistige, literarische, künstlerische und politische Bewegung des 18. Jahrhunderts, die darauf abzielt, allein auf dem Glauben an Autoritäten beruhende Denkweisen kritisch zu hinterfragen.

"Sapere aude" forderte der Philosoph Kant (1720-1804), "habe Mut, selbständig zu denken".

Es war auch Kant, der das Wesen der Aufklärung in dem berühmten Satz zusammenfasste: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus der selbtverschuldeten Unmündigkeit".
Das Zeitalter der Aufklärung ersteckte sich insgesamt über einen Zeitraum von ungefähr 100 Jahren, von annähernd 1700 bis 1800.

Der zentrale Begriff der Aufklärung ist die "Vernunft".
Sie wurde als die alleinige Instanz angesehen, die über wahr und falsch entscheiden könne, nur sie allein könne die Wahrheit ans Licht bringen.
Deshalb nennt man das Zeitalter der Aufklärung mit seinem ursprünglichen Namen "siècle des Lumières" (wörtlich Zeitalter der Lichter) oder auf Englisch "Age of enlightenment".
Das Licht der Vernunft soll die Finsternis der Unwissenheit und des Aberglaubens erhellen.

frontispiz.jpgZeitgenössische allegorische Darstellung: Die Vernunft (mit Krone) lüftet des Schleier der Wahrheit. Die Theologie (mit der Bibel) ist geschwächt niedergesunken und wird von der Philosophie (mit Flamme auf dem Haupt) gestützt.

Freiheit

Ein weiterer wichtiger Begriff der Aufklärung ist der Begriff der Freiheit.
Freiheit bedeutete im Zeitalter der Aufklärung eine generelle Kritik an der Bevormundung des Menschen:
eine Kritik an der Bevormundung durch die Kirche, aber auch durch die herrschende Politik.

Die Kirche übte seit dem Mittelalter eine drückende Herrschaft im Bereich des Denkens, der öffentlichen Wertvorstellungen bis hin zur Reglementierung des Alltagslebens. Die Angst vor Sünde, dem Tod, dem Teufel und dem Höllenfeuer diente über Jahrhunderte zur Disziplinierung der Gläubigen. Jesus selbst hat immer wieder von Höllenqualen für die Ungläubigen gesprochen, auch christliche Denker wie Thomas von Aquin, der poltuliert hatte, dass sich Glauben und Vernunft nicht widersprechen, hielt daran fest.

Die Tätigkeit der Inquisition, die Gräuel der Kreuzzüge, die Glaubenskriege, Intoleranz und religiöser Fanatismus, aber auch ihre Verbundenheit der Kirche mit den herrschenden Köni-gen wurden immer heftiger kritisiert. Die Kirche galt den Aufklärern als Inbegriff und Hauptvertreterin des Aberglaubens, ihre versteinerten, intoleranten und rückständigen An-sichten wurden von immer mehr Denkern als nicht vereinbar mit der natürlichen Ethik und Vernunft des Menschen abgelehnt.

Die Kritik der Aufklärer richtete sich aber auch gegen die Bevormundung in Politik und Gesellschaft. Vor allem das französische Königshaus versuchte neue politische Ideen - vor allem die Gleichberechtigung aller Bürger - abzuwehren.

England galt als geistiger Vorreiter der Aufklärung: Aufklärerische Gedanken hatten schon Francis Bacon, Thomas Hobbes und John Locke vorweggenommen. Außerdem gab es ein Parlament, das selbständig Gesetze erließ und dem der König verpflichtet war.

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Kapitel 10 - Logik Teil 2: Argumentationsfehler

21.04.09, 22:29:53 von philosophie
Argumentationsfehler

Ad hominem-Argument

Dies ist sicher einer der am häufigsten begangenen Argumentationsfehler: Man verucht, das von seinem Gegenüber vorgebrachte Argument schlecht zu machen, indem man nicht die Sache, sondern die Person selber kritisiert.

Beispiel “(Der Philosoph) Jean-Jacques Rousseau hatte kein Recht, über Kindererziehung zu schreiben, denn er hat selbst seine fünf Kinder ins Waisenhaus abgeben müssen.“

Es ist wahr, dass Rousseau seine Kinder in eine Waisenhaus geben musste, aber das was er über Kindererziehung geschrieben hat kann dennoch wahr sein.

Petitio prinzipii (Zirkelschluss)

In einem Zirkelschluss wird eine These aus Argumenten abgeleitet und diese Argumente werden ihrerseits aus derselben These gefolgert.
Beispiel: Man möchte jemanden davon überzeugen, dass er Christ sein soll und führt als Ar-gument an, dass die Bibel dies verlangt. Doch um die Aussagen der Bibel für wahr zu halten, muss man bereits Christ sein, muss man an Gott und die Wahrheit der Schriften, die von ihm berichten, glauben.

Ad-baculum-Argument

(baculum: Stab)
Meist versteckte Drohung mit Formen von Macht und Gewalt, die unterschiedlichesten For-men annehmen kann:
• Unmäßig lautes Sprechen, andere "niederreden"
• Heftiges emotionales Gestikulieren, lautstarkes Auftreten, andere bewusst unterbre-chen, Brüllen, einschüchterndes Auftreten.
• Sprechen, ohne den anderen zu Wort kommen zu lassen.
• Weigerung, überhaupt mit jemandem zu sprechen, andere gar nicht als Diskussions-partner zuzulassen.
• Drohung, die Diskussion abzubrechen.
• Einbinden des Publikums für seine Zwecke.
• Das Publikum unterstützt nur einen bestimmten Sprecher mit Applaus, während es den anderen ausbuht, Lärm macht, den Sprecher auslacht.
• Versteckte oder offene Gewaltandrohung.
• Drohung mit politischen ("dann werden wir ihrem Projekt im Landtag auch nicht zu-stimmen"), rechtlichen ("das wird eine Klage nach sich ziehen"), wirtschaftlichen ("wenn sie nicht von öffentlicher Hand unterstützt werden, werden die Frächter die hohen Treibstoffpreise an die Konsumenten weitergeben") Konsequenzen.

Unklare Konklusionen

Beispiel: „Wenn XY Bundeskanzler wird kann sich wohl jeder Österreicher denken, was da auf ihn zukommt.“

Fangfrage

Beispiel:"Hast du endlich aufgehört, deine Freundin zu betrügen?"
...fordert die Antworten "Ja" oder "Nein".
"Ja" (...ich habe aufgehört, meine Freundin zu betrügen = ich habe meine Freundin in der Vergangenheit betrogen)
"Nein" (...ich habe nicht aufgehört, meine Freundin zu betrügen = ich betrüge sie immer noch)
Einziger Ausweg ist hier, die Frage selbst zurückzuweisen.

Argumentum ad misericordiam (Appell an das Mitleid);

Ein Zuwanderer aus dem Kosovo hat eine Tankstelle überfallen und 230 Euro Beute ge-macht. Vor Gericht weist sein Verteidiger darauf hin, in welch desolaten familiären Verhält-nissen der Täter aufgewachsen ist: Er könne aufgrund seines Vorlebens gar nicht wissen, was gut und was schlecht ist. Er sei daher an der Tat unschuldig und muss freigesprochen werden.

Bedeutungswechsel

Beispiel:
Alle Menschen sind frei, solange ihr Denken nicht beschränkt ist.
Auch Gefängnisinsassen sind in ihrem Denken nicht beschränkt.
Daher sind Gefängnisinsassen frei.

Entweder/Oder-Fehlschluss „Schwarz/Weiß-Fehler“

Beispiel:

Der Fehler hier hat die folgende logische Form:
1.) Prämisse: Entweder A oder B.
2.) Prämisse: A
3.) Konklusion Also B.

Der Schluss ist logisch richtig, der Fehler liegt nur darin, dass 1.) nicht der Wirklichkeit ent-spricht. Das Gegenteil von Aberglauben ist nicht Fatalismus, das Gegenteil ist (weitgehende) Willensfreiheit: Wir können viele Dinge kontrollieren, manche jedoch nicht.


Tu-Quoque-Argument

Der Angesprochene geht hier auf die Frage gar nicht ein, sondern weist auf das moralische Fehlverhalten des anderen hin, um sein eigenes Fehlverhalten zu rechtfertigen.

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